Die Türkei und Deutschland sind seit langer Zeit miteinander verbündet. Die Freundschaft und Verbundenheit zwischen beiden Ländern ist nicht auf politischer Ebene stehen geblieben, sondern durch die Beziehungen zwischen vielfältigen Institutionen und Freundschaften zwischen den Menschen gefestigt worden. Heute gibt es kaum eine Familie in der Türkei, von der nicht wenigstens ein Mitglied in Deutschland lebt. Viele Deutsche verbringen ihren Urlaub in der Türkei. Die Beziehungen beider Länder auf Gebieten wie Kultur, Sport und Handel sind sehr intensiv.

Wenn zwei Länder über solch enge Beziehungen verfügen, so ermöglicht es die Nähe zwischen den Rechtssystemen, diese Beziehungen leichter und bequemer zu entwickeln. In dem Maße, in dem zumindest Rechtstheoretiker und -anwender in einem möglichst engen Austausch miteinander stehen, lassen sich die aufgrund der engen Beziehungen auftretenden rechtlichen Auseinandersetzungen auf gerechte und angemessene Weise sowie für jeden verständlich und akzeptabel lösen.

Das Ziel, das wir mit der Gründung der Akademie für deutsch-türkisches Recht verfolgen, ist die Förderung des Dialogs zwischen Rechtsanwendern und Rechtswissenschaftlern. So stark wie sich der deutsch-türkische Rechtsdialog entfaltet, auf desto festerem Boden wird sich die Annäherung zwischen beiden Ländern entwickeln. Wenn ein Bürger des einen Landes mit dem anderen Land in Berührung kommt, muss er sicher sein, dass er über Rechtssicherheit verfügt und dies mindestens so stark ist, wie im eigenen Land.

Bei der Anwendung von Recht können vielfältige Probleme auftreten. Dabei ist es interessant, dass obwohl die rechtlichen Institutionen in beiden Ländern gleich sein, können sie unterschiedlich angewendet werden. Dies ist für jeden eine Quelle der Verunsicherung. Dabei könnte die unterschiedliche Wahrnehmung und Anwendung rechtlicher Institutionen durch einen intensiven Dialog vermieden werden.

Die Akademie deutsch-türkischen Rechts führt durch Symposien, Konferenzen und Seminare Rechtstheoretiker und -anwender zusammen und will damit zu dem Dialog beitragen, der beide Länder weiter einander annähern wird. Natürlich werden für private und Rechtspersönlichkeiten Untersuchungen durchgeführt und Studien erstellt, Lösungsvorschläge entwickelt, Gerichten Sachverständige empfohlen und auf diese Weise sowohl die Rechtsanwendung als auch die Rechtsentwicklung unterstützt. Dabei wird die Akademie sowohl in Deutschland als auch i n der Türkei tätig.

Warum wir Justinian als Logo gewählt haben? Um die heutigen modernen Rechtssysteme, zu denen auch das von Kontinentaleuropa gehört, zu verstehen, muss man bis in die Zeit des byzantinischen Kaisers Justinian (527-565 n. Chr.) zurückgehen. Das an den Ufern des Tiber in Rom geborene römische Rechtssystem schloss seine Entwicklung im damaligen Konstantinopel, dem heutigen Istanbul ab. Als byzantinischer Kaiser ließ Justinian die Kodifikation „Corpus Iuris Civilis“ in Istanbul (Konstantinopel) erarbeiten. Auf diese Weise schuf Justinian die Verbindung zwischen Istanbul und dem römischen Recht.

Das römische Recht wiederum stellt sowohl die Quelle des Zivilrechts der Türkei als auch Deutschlands dar. Als derjenige, der die Zusammenstellung der Quelle des Zivilrechts beider Länder im „Corpus Iurus Civilis“ in Istanbul veranlasste, erscheint Justinian, der auch als Kaiser den Vorrang des Rechts berücksichtigte, das angemessenste Symbol.

Prof.Dr. Erol ULUSOY

Vorsitzender